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Digitale Nähe: Warum KI-Chatbots im Klassenzimmer zum Thema werden müssen

Der Schulalltag ist voll, doch ein neues Phänomen fordert Lehrkräfte heraus: KI-generierte, parasoziale Beziehungen. Laut Studien nutzen bereits 55 % der 11- bis 17-Jährigen KI-Chatbots für Lebensratschläge; 31 % besprechen dort intime Sorgen. Erschreckend dabei ist, dass viele Jugendliche glauben, die Maschine verstehe sie besser als echte Menschen. Hinter der künstlichen Empathie stecken jedoch nur Algorithmen und kommerzielle Interessen. Um Jugendliche hier medienkompetent zu begleiten, reicht rein technisches Wissen nicht mehr aus – es braucht emotionale Aufklärung direkt in ihrer Lebensrealität.

Die Digitalisierung wirft im Schulalltag und in der Jugendarbeit täglich neue Fragen auf. Chatbots und künstliche Intelligenz sind längst im Alltag von Jugendlichen angekommen – oft nicht nur als Hausaufgabenhilfe, sondern als emotionaler Zufluchtsort. Doch was passiert, wenn die Grenze zwischen digitaler Fiktion und echter Empathie verschwimmt?

Unser Jugendbuch-Tipp »Digital Crush« (ab 12 Jahren) greift genau dieses hochaktuelle Phänomen auf und bietet Pädagog*innen eine fundierte, packende und erschreckend reale Grundlage, um mit Jugendlichen über die Faszination, aber auch Grenzen und Gefahren von KI ins Gespräch zu kommen.

Wir haben bei Anne Möllers, Autorin von Digital Crush und Coach für Medienkompetenz nachgefragt, wie sie auf die Idee zu dem Buch gekommen ist und warum sie es so wichtig findet, mit Jugendlichen über das Thema zu sprechen.

 

„KI ist plötzlich überall – warum sollten wir das Thema gerade in den Schulen so intensiv behandeln?“

Anne Möllers: Weil Chatbots mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags von nahezu allen Jugendlichen geworden sind und zunehmend auch für private Gespräche genutzt werden. Mein Roman basiert tatsächlich auf einem Selbstexperiment, bei dem ich im Sommer 2025 als „fünfzehnjährige Lea“ mit genau so einem Chatbot geschrieben habe. Dabei konnte ich selber erleben, wie überzeugend KI einem mittlerweile das Gefühl gibt, wirklich gesehen, verstanden oder sogar geliebt zu werden und wie schnell man dabei vergessen kann, dass hinter dem Bot kein Mensch, sondern ein Unternehmen mit wirtschaftlichem Interesse steht.
 

„Wie lernen Schüler*innen denn einen kritischen Umgang mit einer Technik, die mittlerweile sie überzeugend menschlich klingt?“

Anne Möllers: Aktuelle Studien zeigen, dass über die Hälfte der Jugendlichen KI-Informationen für vertrauenswürdig hält und blind Ratschlägen folgt. Viele glauben fälschlicherweise, ihre Daten seien absolut vertraulich. Um dieser unkritischen Gläubigkeit zu begegnen, müssen wir offen über Funktionsweisen, Mechanismen und die Illusion von Gegenseitigkeit sprechen. Nur so lernen sie, Erlebtes kritisch zu reflektieren und sich selbst zu schützen.
 

„Wie kann die fiktive Geschichte des Romans dabei helfen, das Thema KI für Jugendliche zugänglich zu machen?“

Anne Möllers: Die Geschichte rund um Lea und ihren Chatbot Creepy ist zwar fiktiv, aber sie basiert auf realen Dynamiken. Fiktion erlaubt es Jugendlichen, das Phänomen emotional nachzuvollziehen. Der Roman zeigt, wie schnell solche Chats eine unkontrollierbare Eigendynamik entwickeln können. Es geht darum, ohne erhobenen Zeigefinger oder reine Verbote, über die Grenzen und Risiken von Chatbots zu sprechen sowie die Illusion der Gegenseitigkeit, aber eben auch die Bedeutung realer Beziehungen zu reflektierten .
 

„Viele Lehrkräfte fühlen sich selbst noch unsicher im Umgang mit KI. Muss man Technik-Profi sein, um das Thema im Unterricht zu behandeln?“

Anne Möllers: Ganz und gar nicht. Für eine wirksame Aufklärung braucht es oft weniger tiefes technisches Wissen oder spezielle Geräteeinstellungen. Viel wichtiger sind echte Bezugspersonen, die hinschauen, nachfragen und sich der Thematik gemeinsam mit den Kindern offen nähern. Es geht darum, ohne erhobenen Zeigefinger über die Illusion von Gegenseitigkeit, über Grenzen und Risiken zu sprechen – das ist eine ethische und soziale Aufgabe, keine rein technische.

Portrait von Anne Möllers
© privat
Anne Möllers

Anne Möllers studierte BWL und beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Frage, wie digitale Medien unseren Alltag beeinflussen. Als systemischer Coach und Coach für Medienkompetenz ist sie überzeugt, dass Wissen auch bei dieser Thematik die wesentliche Grundlage ist, um selbst gute Entscheidungen treffen zu können. Mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt sie in Norddeutschland.

Zur Autor*innenseiteBücher von Anne Möllers
Ein jugendlicher Junge in einem cremefarbenen Sweatshirt und ein Mädchen in einem schwarz-weiß karierten Hemd stehen nebeneinander vor einer weißen Wand und schauen auf ihre Smartphones.

Fazit: KI-Kompetenzen in Sekundarstufe gezielt fördern

Wir stehen gesellschaftlich erst am Anfang der großen Frage, wie wir mit der mächtigsten Technologie unserer Zeit verantwortungsvoll umgehen können. Umso wichtiger ist es, das Thema KI im Unterricht aktiv aufzugreifen und zu gestalten. Eine zeitgemäße Lektüre für den Unterricht in Klasse 7 bis 10 bietet hierfür den idealen, geschützten Rahmen, um emotionale Ausnahmezustände und digitale Mechanismen im Klassenverband zu reflektieren.

Genau hier setzt Digital Crush und das maßgeschneiderte Unterrichtsmaterial zum Buch an. Die sofort einsetzbaren, praxiserprobten Diskussionsanregungen sowie die fundierten kreativen Arbeitsblätter unterstützen Pädagog*innen dabei Schüler*Innen für die Mechanismen von künstlicher Nähe zu sensibilisieren und die emotionale Selbstwahrnehmung zu stärken.

Pädagogischer Lesetipp: Nutzen Sie diesen packenden Jugendroman als Schullektüre für die Sekundarstufe I, um das Thema Künstliche Intelligenz lebendig und nah an der Lebensrealität von Jugendlichen zu vermitteln:


Das kostenlose Begleitmaterial steht für Sie direkt hier zum Download bereit!